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Das Stockwerkmodell des Waldes

 

Drei Stockwerke, ihre Merkmale und ihre Vertreter

Ein interessantes Phänomen ist die horizontale Schichtung des tropischen Regenwaldes, die sich aus drei von Bäumen gebildeten Stockwerken mit vielen Übergängen zusammensetzt.
 

  • oberstes Stockwerk (bis ca. 80m Höhe)
    Urwaldriesen mit 50–80 m Höhe, die das geschlossene Laubdach überragen. Ihre Verzweigung beginnt erst oberhalb der Krone der übrigen Bäume.
    Beispiele für diese schwer im Gewächshaus zu pflanzenden Bäume sind der Kanonenkugelbaum (Couroupita guianensis), der seinen Namen wegen seiner hartschaligen bis zu 20 cm großen runden Früchte trägt,
    der Kapokbaum (Ceiba pentrandra)
    und der als Holzlieferant wichtige Mahagonibaum (Swietenia mahagoni).
    Die letzten beiden Arten bilden mächtige, meterhohe Brettwurzeln aus. Diese für viele Bäume des tropischen Regenwaldes typischen Wurzelstrukturen dienen einerseits der besseren Verankerung dieser riesigen Bäume, andererseits verbessern sie die im feuchten, kaum durchlüfteten Urwaldboden schlecht mögliche Sauerstoffaufnahme.
     
  • mittleres Stockwerk (bis ca. 30m Höhe)
    Bäume der mittleren Höhenschicht mit einer Höhe von 20–30 m.
    In dieser Höhenschicht ist die Artenvielfalt am größten und es kommt häufig zur Ausbildung eines dichten Laubdaches.
    Zu dieser Baumkategorie gehören beispielsweise verschiedene Ficus-Arten, wie der aus SO-Asien stammende Gummibaum (Ficus elastica), der ebenso wie die Birkenfeige (Ficus benjamina) als Zimmerpflanze weite Verbreitung fand.
    Die Blätter der Ficus-Arten zeigen die in den Tropen vorherrschende ganzrandige Form, die häufig in eine Träufelspitze ausläuft. Diese Träufelspitze, die das Ablaufen des Niederschlagswassers erleichtern soll, ist besonders bei Ficus religiosa ausgebildet, wo sie sogar wie eine Regenrinne gekielt ist.
    Ein weiteres Phänomen ist die xeromorphe (= an Trockenheit angepasste) Struktur der Gummibaumblätter, mit einer dicken verdunstungsvermindernden Wachsschicht, was in den feuchten Tropen paradox erscheint. Die Ursache hierfür ist, dass wegen der starken Sonneneinstrahlung die direkt besonnten Blätter des Laubdaches in der Mittagszeit vorübergehend extremer Trockenheit ausgesetzt sind.
    Andere Bäume dieser mittleren Schicht sind der brasilianische Parakautschukbaum (Helvea brasiliensis), der als Kautschuklieferant viel wichtiger ist als der Gummibaum,
    der Leberwurstbaum (Kigelia africana), dessen Name sich von seinen an langen Stielen hängenden wurstförmigen Früchten ableitet,
    und der Palisander (Jacaranda acutifolia).
     
  • Unteres Stockwerk (bis ca. 10m Höhe)
    Kleine nur wenige Meter hohe Bäume, die im recht dunklen Bereich der unteren 10 m des tropischen Regenwaldes wachsen, in denen eine konstante rel. Luftfeuchte von 97–100 % herrscht.
    Typische Pflanzen dieser Höhenschicht sind die 1–2 m hohe Clavija macrophylla,
    einige Palmen- und Schraubenpalmenarten (Gattung Pandanus)
    sowie Goethea cauliflora
    und der Kakaobaum (Theobroma cacao).
    Das Kakao-Aroma der im Innern der ca. 20 cm langen gurkenförmigen Beerenfrüchte des Kakaobaumes liegenden "Kakaobohnen" (= Samen) bildet sich erst durch Gärvorgänge und anschließendes Rösten aus.
    Die beiden letztgenannten Arten sind Beispiele für die überwiegend in den immerfeuchten Tropen auftretende Stammblütigkeit (= Kauliflorie), bei der die Blüten direkt aus dem Stamm oder aus dicken Ästen hervorbrechen. Kauliflorie wird teils als Schutz der Blüten vor den heftigen tropischen Regenfällen, teils als Anpassung an Vogel- oder Fledermausbestäubung angesehen, da Stammblüten für diese Bestäuber nicht durch Blätter unzugänglich sind.
     

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