Sie sind hier: Startseite Freilandbereiche Heilpflanzenbeete Medizinisch wirksame Inhaltsstoffe

Medizinisch wirksame Inhaltsstoffe

Die Grundlage jeder Biosynthese ist die Fähigkeit der grünen Pflanzen durch den Prozess der Photosynthese die durch die Sonneneinstrah­lung gelieferte Lichtenergie in chemische Energie umzuwandeln und zu speichern. Dabei werden mit Hilfe des Chlorophylls, des grünen Farb­stoffs der Pflanzen, aus dem Kohlendioxid der Luft, aus Wasser und der durch die Sonnenstrahlung gelieferten Energie organische Kohlenwas­serstoffverbindungen aufgebaut, die im Wesentlichen die Grundlage des heutigen Lebens bilden. Mit der Photosynthese beginnt der soge­nannte primäre Pflanzenstoffwechsel, aus dem sich der sekundäre Pflanzenstoffwechsel ableitet. Zu den Produkten des sekundären Pflan­zenstoffwechsels zählen therapeutisch wichtige Wirkstoffe mit unter­schiedlichstem chemischem Aufbau. Sie dienen den Pflanzen als Fraßschutz, Keimabwehr, Blütenfarben oder Botenstoffe.

 

Als bei Gewürz- und Heilpflanzen wichtigste sekundäre Pflanzenstoffe sind zu nennen:

Ätherische Öle

Ätherische Öle sind flüssige Mischungen mehrerer flüchtiger (ätheri­scher) Stoffe, meist mit angenehmem, starkem Geruch, die chemisch von „fetten Ölen“ völlig verschieden sind. Die wichtigste Stoffklasse der ätherischen Öle sind Terpene. Ätherische Öle findet man als Hauptin­haltsstoffe in vielen Heil- und Gewürzpflanzen, die zu verschiedenen Familien gehören. So werden viele Lamiaceae (Lippenblütler) auf­grund ihrer ätherischen Öle als Gewürz- und Heilpflanzen verwendet. Beispiele sind Dost (Origanum vulgare), Gartensalbei (Salvia officinalis), Rosmarin (Rosmarinus officinalis), außerdem Thymian (Thymus vulgaris), Zitronenmelisse (Melissa officinalis) und Pfeffer­minze (Mentha x piperita). Auch die meisten Arten der Apiaceae (Doldengewächse) enthalten ätherische Öle, was die große Anzahl an Heil- und Gewürzpflanzen in dieser Familie verständlich macht, zum Beispiel Kümmel (Carum carvi), Fenchel (Foeniculum vulgare), Maggi­kraut (Levisticum officinale) oder Anis (Pimpinella anisum). Eine weitere Familie mit vielen ätherische Öle bildenden Arten sind die Asteraceae (Korbblütler). Die Blüten der Echten Kamille (Matricaria chamomilla) dienen als Grundlage verschiedener Präparate wie Kamillentee, Kamillenöl usw. Sie sind entzündungshemmend und dämpfen Koliken im Verdauungstrakt. Die ätherischen Öle in der Wurzel des Alant (Inula helenium) werden als Bestandteile von Hustentees verwendet. Wermut (Artemisia absinthium) enthält daneben noch Bitterstoffe. Er wird bei Magen- und Gallenleiden, als Gewürz und zur Zubereitung von Wer­mutschnaps verwendet. Innerhalb der Valerianaceae (Baldrian­gewächse) ist vor allem der Große Baldrian (Valeriana officinalis) zu nennen, dessen ätherische Öle bei Nervosität und Schlafstörung beru­higend wirken. Ähnlich, jedoch schwächer, wirkt der Holunderblättrige Baldrian (Valeriana sambucifolia).

Alkaloide

Alkaloide sind alkaliähnlich (Name!) reagierende, stickstoffhaltige Stoffe, z.B. Atropin oder Morphin. Auch Purine (von Harnsäure abge­leitet), wie Coffein, Theophyllin und Theobromin, gehören zu den Alkaloiden. Viele Vertreter der Solanaceae (Nachtschattengewächse) beinhalten Alkaloide. Neben wichtigen Speisepflanzen, bei denen die alkaloidfreien Pflanzenteile gegessen werden (Kartoffel, Tomate, Pap­rika) und der sehr gesundheitsschädlichen „Genussdroge“ Tabak ent­hält diese Familie daher viele Gift- und Heilpflanzen. Beispiele sind die hochgiftige Alkaloide enthaltenden Arten Tollkirsche (Atropa bella-donna), Stechapfel (Datura stramonium) Bilsenkraut (Hyoscymus niger) oder Alraune (Mandragora officinarum). Papaveraceae (Mohnge­wächse) bilden alkaloidhaltigen Milchsaft. Der Schlafmohn (Papaver somniferum) enthält einen Opium liefernden Milchsaft, dessen Haupt­alkaloid das Morphin ist. Morphin wird als schmerzstillendes Mittel ver­wendet, es führt jedoch bei Langzeitbehandlung zur Abhängigkeit. Der bei Mohngebäck verwendete Samen ist alkaloidfrei. Eine bekannte, hochgiftige Alkaloide bildende Art der Apiaceae (Doldenblütler) ist der Fleckenschierling (Conium maculatum). Sie wurde in der Antike als Hinrichtungsmittel benutzt. So wurde z.B. Sokrates zum Tod durch Leeren des berühmten „Schierlingsbechers“ verurteilt.

Bitterstoffe

Bitterstoffe sind pflanzliche Wirkstoffe verschiedener chemischer Zusammensetzung mit deutlich bitterem Geschmack. Bitterstoffe wirken anregend auf die Verdauungsorgane. Beim zu den Cannabaceae (Hanfgewächse) gehörenden Hopfen (Humulus lupulus) wird der Bitterstoff Lupulin als Geschmacksstoff und zur Haltbarmachung von Bier verwendet. Viele Euphorbiaceae (Wolfsmilchgewächse) enthalten einen Milchsaft, der aufgrund der enthaltenden Bitterstoffe giftig ist. Als Beispiel ist die Zypressenwolfsmilch (Euphorbia cyparissias) zu nennen, deren eingedickter Milchsaft frü­her als Brech- und Abführmittel diente. Inner­halb der Gentianaceae (Enziangewächse) enthält zum Beispiel der Gelbe Enzian (Gentiana lutea) in der Wurzel Bitterstoffe, die bei Magen- und Darmbeschwerden verab­reicht werden. Außerdem wird aus der Wurzel Enzianschnaps hergestellt.

Hopfen

Hopfen
(Humulus lupulus)

Gerbstoffe

Bei Gerbstoffen handelt es sich um Substanzen, die zu verschiedenen chemischen Stoffklassen gehören. Sie verändern Eiweiß irreversibel, d.h. nicht umkehrbar, und werden deshalb beispielsweise zur Leder­gerbung verwendet. Außerdem haben sie eine antibakterielle Wirkung. Viele Arten der Rosaceae (Rosengewächse) enthalten Gerbstoffe. Zu nennen sind der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) und der Odermennig (Agrimonia eupatoria), die entzündungshemmend und blutstillend wirken. Bei den Hamamelidaceae (Zaubernussgewächse) enthält zum Beispiel die Virginische Zaubernuss (Hamamelis virginiana) in Blättern und Rinde Gerbstoffe und wird homöopathisch bei Venen­leiden als Umschlag und in der Kosmetik als Bestandteil von Gesichts­wasser und anderen Pflegeprodukten verwendet.

Glykoside

Glykoside sind Naturstoffe, die aus einem Zucker und aus einem die medizinische Wirkung hervorrufenden Nichtzucker bestehen. Bei Gewürzpflanzen aus der Familie der Brassicaceae (Kreuzblütler), wie dem weißen Senf (Sinapis alba) und dem schwarzen Senf (Brassica nigra), sind die Geschmacksstoffe Senfölglykoside. Innerhalb der Aspa­ragaceae (Spargelgewächse) enthält das Maiglöckchen (Convallaria majalis) Herzglykoside, die zur Behandlung von Herzschwäche dienen. Die zu den Zeitlosengewächsen (Colchicaceae) gehörende Herbst­zeitlose (Colchicum autumnale) beinhaltet, vor allem in den Samen, das sehr giftige Colchizin, das bei akuten Gichtanfällen verwendet wird. Bei den Fingerhutarten aus der Familie der Plantaginaceae (Wegerichge­wächse) sind die Herzglykoside von großer medizinischer Bedeutung. Die wichtigsten Arten sind der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea), der Gelbe Fingerhut (Digitalis lutea) und der Wollige Fingerhut (Digitalis lanata).

Roter Fingerhut Wolliger Fingerhut

Roter Fingerhut
(Digitalis purpurea)

    

Wolliger Fingerhut
(Digitalis lanata)

Saponine

Saponine sind in wässriger Lösung stark schäumende Stoffe (lat.: sapo = Seife), die oberflächenaktiv sind und rote Blutkörperchen auflösen.

Saponine finden sich zum Beispiel bei der zu den Primulaceae (Primelgewächse) gehörenden Echten Schlüsselblume (Primula veris), die als Bestandteil vieler Hustentees verwendet wird. Innerhalb der Caryophyllaceae (Nelkengewächse) enthält das Seifenkraut (Sapo­naria officinalis) Saponine, vor allem in der Wurzel. Es wird bei Haut­erkrankungen wie Hautflechten innerlich angewendet. Außerdem kann es zur Reinigung von Wolle verwendet werden.

Schleimdrogen

Schleimdrogen enthalten quellende, viskose Stoffe, die chemisch mit Zuckern verwandt sind. In den Malvaceae (Malvengewächse) enthal­ten zum Beispiel Eibisch (Althaea officinalis) und Stockrose (Alcea rosea) Schleimdrogen, die bei Erkrankungen des Mund- und Rachen­raums verwendet werden.

Es gibt aber auch Pflanzenfamilien mit Arten, die sehr unterschiedliche Inhaltsstoffe besitzen. Ein Beispiel hierfür sind die Ranunculaceae (Hahnenfußgewächse). Das Adonisröschen (Adonis vernalis) enthält Herzglykoside, die die Herzkranzgefäße erweitern. Gelber Eisenhut (Aconitum vulparia) und Blauer Eisenhut (Aconitum napellus) bein­halten dagegen hochgiftige Alkaloide.